Die Logos-Schrift · Das Buch des Epikur

Vom Tod

Das Buch des Epikur 2 · Im Garten überliefert, aus seinen Briefen und Fragmenten

Er kommt nach Aristoteles. Er beruft sich auf keinen Gott und verspricht kein Jenseits. Dieses Buch wird nach den sechs Axiomen ausgewählt: Was übereinstimmt, steht vorn; was widerstreitet, steht hinten und wird nicht gelöscht. (vgl. Apostelgeschichte 5.29)

2.1Der Tod geht uns nichts an.
2.2Solange wir sind, ist der Tod nicht; wenn der Tod ist, sind wir nicht mehr.
2.3Er gehört also weder den Lebenden noch den Toten.
2.4Was die Menschen fürchten, ist meist nicht der Tod. Es ist, dass nach dem Tod noch ein Selbst dort steht und leidet.
2.5Hat es sich ganz zerstreut, so steht dort niemand mehr. (vgl. Der Bund 6.1)
2.6Woraus du gemacht bist, verschwindet nicht. Was sich zerstreut, ist die Anordnung, nicht der Stoff. (vgl. Vorspann 1.16)
2.7Jemand sagt: Das tröstet nicht.
2.8Ich sage: Ich bin nicht gekommen zu trösten. Ich bin gekommen, eine unnötige Furcht wegzunehmen.
2.9Aber Platon hat einen Brief an eine Mutter, die ihr Kind verlor. (vgl. Die Briefe des Platon 1)
2.10Ich habe ihn gelesen. Was er tat, ist nicht, was ich tue: Er sagte ihr nicht, sie dürfe nicht schmerzen.
2.11Was ich hier geschrieben habe, ist für einen, der den eigenen Tod fürchtet. Was er schrieb, ist für einen, der einen anderen verloren hat.
2.12Beides wird gebraucht, und beides ist nicht austauschbar.
2.13Meine Worte einer Mutter zu bringen, die eben ihr Kind verloren hat, heißt, die richtige Arznei dem falschen Menschen zu geben.
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