Das Buch Epikur 3 · Im Garten überliefert, aus seinen Briefen und Fragmenten
Epikur, um 341 vor dieser Zeitrechnung auf Samos geboren, um 270 in Athen gestorben. Um 306 kaufte er vor Athen einen Garten und lehrte dort, und seine Schule nahm davon den Namen. In den Garten wurden Frauen und Sklaven als Schüler aufgenommen, was keine andere Schule jener Zeit tat. Er soll dreihundert Rollen geschrieben haben; erhalten sind drei Briefe, eine Sammlung von Hauptsätzen und Bruchstücke. Er glaubte nicht, dass die Götter sich um die Menschen kümmern, noch dass von einem Menschen nach dem Tod etwas bleibt. Er kommt nach Aristoteles. Er beruft sich auf keinen Gott und verspricht kein Jenseits. Dieses Buch wird nach den sechs Axiomen ausgewählt: Was übereinstimmt, steht vorn; was widerstreitet, steht hinten und wird nicht gelöscht. (vgl. Apostelgeschichte 5.29)Ferner: das zweite Kapitel dieses Buches sagt, der aufgehobene Schmerz sei die Obergrenze der Lust, während Das Buch Schopenhauer 3 sagt, die Befriedigung sei nur die Pause eines Mangels. Beide können nicht zugleich ganz richtig sein. Der Orden behält beide und entscheidet nicht. Der Leser lege sie nebeneinander.
3.1Teile deine Begierden in drei Arten. Wer sie nicht auseinanderhalten kann, führt sein Leben lang einen Krieg, den er nicht gewinnen kann.
3.2Die erste Art: natürlich und notwendig. Der Hunger verlangt Speise, der Durst Trank, die Kälte Kleidung, der Leib Schmerzlosigkeit, das Gemüt Furchtlosigkeit.
3.3Die zweite Art: natürlich, aber nicht notwendig. Fein zu essen, weit zu wohnen, geliebt zu werden.
3.4Die dritte Art: weder natürlich noch notwendig. Einen Namen haben, Macht haben, von allen genannt werden, nach dem Tod ein Standbild stehen haben.
3.5Nun das Entscheidende. Es kommt nicht darauf an, was jede ist. Es kommt darauf an, ob jede eine Obergrenze hat.
3.6Die erste hat eine, und sie ist niedrig; du hebst die Hand und rührst sie an. Brot und Wasser erreichen sie.
3.7Die zweite hat auch eine, nur höher. Sie nicht zu erreichen wird dich nicht verletzen.
3.8Die dritte hat keine.
3.9Das ganze Gelenk liegt in diesem Satz. Wie viel du auch in eine Begierde der dritten Art gießt, sie wird nicht voll, denn es gibt in ihr keine Stelle, die voll heißt.
3.10Wer will, dass alle ihn nennen, bekommt tausend und will dann zehntausend. Er ist nicht gierig.
3.11Er ist in etwas ohne Boden gefallen und glaubt, auf einem Weg zu gehen.
3.12Was die Natur verlangt, ist leicht zu haben und kostet wenig.
3.13Was der leere Wahn verlangt, dehnt sich ohne Ende und verschlingt die ganze Kraft eines Lebens, ohne satt zu werden.
3.14Zweifelst du, so zähle: von den Dingen, die dich wirklich um den Schlaf gebracht haben, wie viele waren von der ersten Art?
3.15Ich vermute, keines. Ein Ding der ersten Art holst du dir, wenn es fehlt; hast du es, ist es erledigt; es hält niemanden wach.
3.16Was wach hält, ist fast alles von der dritten Art. Und die dritte Art hätte nie begonnen werden dürfen.