Die Logos-Schrift · Das Buch des Aristoteles

Vom Hingehen und Ansehen

Das Buch des Aristoteles 4 · Im Lykeion überliefert, aus seinen eigenen Schriften genommen

Er ist kein Zeuge. Er hat den Lehrer nie gesehen; er war der Schüler eines Schülers. Dieses Buch verzeichnet nicht sein Leben, sondern nur, was er in seinen eigenen Büchern schrieb — der Orden will Worte, die man prüfen kann, keinen Namen, den man zitieren kann.

4.1Alles Forschen beginnt im Staunen.
4.2Wer staunt, weiß, dass er nicht weiß. So ist das Staunen der erste Schritt in die Unwissenheit hinein und der erste Schritt aus ihr heraus.
4.3Die Methode hat drei Teile: die Erscheinungen hinlegen, die Schwierigkeiten hinlegen, dann die Erklärung suchen.
4.4Die Erscheinungen hinlegen heißt, das Gesehene eines nach dem anderen hinzustellen, ohne es eilig zu erklären.
4.5Die Schwierigkeiten hinlegen heißt, deutlich zu zeigen, wo die Dinge einander widerstreiten, ohne so zu tun, als täten sie es nicht.
4.6Dann suche die Erklärung. Jede Erklärung muss das meiste bewahren, was die Menschen ohnehin glaubten; stürzt sie alles um, was alle glaubten, so ist weit eher die Erklärung falsch als alle.
4.7Manche wollen das Geringe nicht untersuchen. Sie meinen, die Philosophie dürfe nur vom Himmel sprechen.
4.8Ich meine das nicht.
4.9Heraklit wärmte sich einst am Backofen. Besucher zögerten in der Tür, weil sie den Ort eines Philosophen für unwürdig hielten.
4.10Er sagte: Tretet ein, fürchtet euch nicht. Auch hier sind Götter.
4.11Ich habe dieses Wort in mein Buch über die Tiere gesetzt, denn es ist meine Methode.
4.12Erscheint dir ein Seeigel gering, so ist nicht der Seeigel gering. Es ist dein Auge.
4.13In jedem natürlichen Ding ist etwas zu bestaunen.
4.14Der Himmel ist fern; du kannst ihn nur ansehen. Was du in der Hand hältst, ist nah; das kannst du zählen.
4.15Alles, was ich mit meinem Leben getan habe, ist, das Ansehen in ein Zählen zu verwandeln.
Die Logos-Schrift →

中文 English 日本語 Español Français Deutsch