Die Logos-Schrift · 2 Platon

Über das, wonach man nicht fragen kann

2 Platon 3 · Vom Wissen und Nichtwissen. In der Akademie überliefert, aus seinem Theaitetos und seinem Menon

Dieses Buch scheidet Rechthaben von Wissen. In Kapitel 4 erklärt Platon den Knaben im Sand durch ein früheres Leben. Diese Schrift nimmt das frühere Leben nicht. Sie nimmt Der Bund 1.2 — wo der Blick der Vernunft fällt, werden die vielen Wege eins, und erst dann wird das Wirkliche geboren. Seine Erklärung bleibt stehen und wird nicht gestrichen.

3.1Menon hat mir einmal eine sehr scharfe Frage gestellt.
3.2Er sagte: wie willst du etwas suchen, das du überhaupt nicht kennst?
3.3Kennst du es nicht, so wirst du es nicht erkennen, wenn du es findest.
3.4Und würdest du es erkennen, so kanntest du es schon und brauchst nicht zu suchen.
3.5Also ist Suchen vergeblich: was man weiß, braucht man nicht zu suchen, und was man nicht weiß, ist nicht zu finden.
3.6Was ist gut an dieser Frage? Gut ist, dass sie wie eine Sackgasse aussieht.
3.7Viele bleiben ihr Leben lang dort stehen. Sie sagen: wenn es so ist, hört auf zu fragen und tut es wie üblich.
3.8„Hört auf zu fragen“ ist der bequemste Satz in jeder Höhle. (vgl. 1 Platon 4.10)
3.9Ich antwortete ihm: du hast das Wissen für etwas genommen, das man hat oder nicht hat, und so bist du in die Sackgasse geraten.
3.10Das meiste, was ein Mensch in sich trägt, ist eine halbe Sache: ein Schatten ohne Namen, ein Gefühl, dessen Grund er nicht angeben kann.
3.11Suchen heißt nicht, vom Nichts zu etwas zu gehen. Suchen heißt, die halbe Sache ganz zu machen.
3.12Allein gelingt es kaum, denn die eigene halbe Sache sieht man nicht.
3.13Darum muss einer fragen. Fragen heißt, hervorzukehren, was er schon hat, und es ihm zu zeigen.
3.14Menon glaubte mir nicht. Ich sagte: dann nehmen wir einen, der nie unterrichtet wurde, und machen die Probe.
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