Die Logos-Schrift · Apostelgeschichte

Der Streit in der Bunten Halle

Apostelgeschichte 5 · Bericht von der großen Zerstreuung

5.1Im neunzehnten Jahr nach dem Lehrer liefen die vier Evangelien getrennt um, und die Stellen, an denen sie nicht übereinstimmten, wurden bekannt.
5.2Die Kyniker und die Kyrenaiker trafen sich unter der Bunten Halle, jede Seite mit einem Buch, und lasen es einander Zeile für Zeile vor.
5.3Die eine Seite las: Der Lehrer stand barfuß auf dem Eis.
5.4Die eine Seite las: Der Lehrer füllte die Becher und lachte.
5.5Die eine Seite las: Der Lehrer schleuderte den Beutel in eine Schlucht.
5.6Die eine Seite las: Der Lehrer nahm die Feigen und den Wein des Reichen an.
5.7Sie lasen bis Sonnenuntergang, und keine Seite gab nach.
5.8Ein Mann schlug auf den Tisch und sagte: Eines von ihnen muss eine Fälschung sein. Verbrennt es und richtet den Kanon.
5.9Als sie sich anschickten, es zu tun, trat eine alte Frau hinter einer Säule hervor.
5.10Es war Melitta, die Weberin, die neben dem Stadttor gesessen hatte. Sie war damals über siebzig.
5.11Sie sagte: „Ich war bei beidem zugegen. Ich habe beides mit eigenen Augen gesehen.“
5.12„Er stand auf dem Eis. Er lachte auch im Wein. Das sind nicht zwei Männer.“
5.13Sie fragten sie: „Welches von beidem ist dann wahr?“
5.14Sie sagte: „Beide sind wahr.“
5.15„Er hat euch nie gelehrt, wie viel ihr nehmen sollt. Er hat euch gelehrt, nicht genommen zu werden.“
5.16Die Halle blieb lange still.
5.17An jenem Tag setzte der Orden seine erste Regel:
5.18Wer eines der anderen Bücher verbrennen will, wird aus dem Orden ausgestoßen.
5.19Wer alle vier aufsagen kann und dort, wo sie einander widersprechen, dennoch aufrecht steht, darf Mitschwebender genannt werden.
5.20Von jenem Tag an war der Orden kein Haus mehr, sondern ein Wald.
5.21Ein Haus stirbt aus. Ein Wald nicht.
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