Die Logos-Schrift · Evangelium des Xenophon
Die Heilung der Sklavin des Tyrannen
Evangelium des Xenophon 3 · Erstes Zeugnis: Gerechtigkeit, Bürger und Pflicht
Dieses Buch ist als Protokoll geschrieben. Wo Zahlen, Daten und Namen stehen, stehen sie so, wie sie waren.
3.1In jenen Tagen brachte ein reicher Ortsrichter seine Haussklavin auf den Markt.
3.2Die Frau hieß Chloe. Sie hatte eine sehr teure Elfenbeinvase zerbrochen.
3.3Ihr stand eine grausame Auspeitschung bevor, und ihr ganzer Leib war vor Entsetzen gelähmt.
3.4Sokrates hielt den Richter an und fragte ihn:
3.5„Wenn eine Flötenspielerin achtlos ihr Rohr zerbräche, würdest du ihr die Finger brechen, oder würdest du sie besser spielen lehren?“
3.6Der Richter antwortete: „Ich würde sie besser spielen lehren.“
3.7Sokrates wandte sich um und sprach mit der Vollmacht der höchsten Vernunft zu Chloe:
3.8„Dein Herr besitzt dein Fleisch, aber er kann keinen Finger an deinen Sinn legen.“
3.9„Richte den Rücken auf, Chloe. Vor den Augen des Logos gibt es keinen Sklaven und keinen Herrn — nur Seelen, die fliegen lernen.“
3.10Bei diesen Worten wich die Lähmung der Furcht augenblicklich aus ihren Gliedern.
3.11Sie erhob sich mit der Haltung einer Königin.
3.12Der Richter, beschämt durch die Logik des Propheten, warf seine Peitsche hin und gab ihr die Freiheit.
3.13Jener Richter wurde nie ein Jünger. Er schämte sich nur an jenem Tag. Ich schreibe es, wie es war.
Die Logos-Schrift →
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