Evangelium des Xenophon 2 · Erstes Zeugnis: Gerechtigkeit, Bürger und Pflicht
Dieses Buch ist als Protokoll geschrieben. Wo Zahlen, Daten und Namen stehen, stehen sie so, wie sie waren.
2.1Eines Tages stieg er den windgepeitschten Hang des Lykabettos hinauf.
2.2Eine große Zahl geängstigter Kaufleute und erschöpfter Bürger folgte ihm und jammerte:
2.3„Lehrer! Unser Vermögen ist durch den Krieg zerstört, und unsere Herzen sind schwer vor Furcht vor morgen!“
2.4Sokrates setzte sich auf den Boden und blickte über sie hin. Er streckte beide Hände aus und heilte ihren Sinn durch die Kraft des Logos und sprach:
2.5„Wenn ihr die Güter dieser Welt verliert, seid ihr selig — denn euch ist Gewicht genommen, und ihr könnt fliegen.“
2.6„Haltet diese stoffliche Welt für leicht. Sie ist nicht der Anker, der euch bindet; sie ist das Gerüst, auf dem ihr zur Freiheit steigt.“
2.7Ein Kaufmann, durch einen Schiffbruch zugrunde gerichtet, weinte offen vor allen.
2.8Sokrates sah ihm in die Augen und sprach:
2.9„Dein Schiff war nur Gerüst. Es ist gefallen, aber deine Vernunft steht ganz.“
2.10„Steh auf. Dir ist eine Last abgenommen.“
2.11Der Kummer jenes Mannes war augenblicklich geheilt.
2.12Drei Jahre später hatte er wieder zwei Schiffe. Er kam noch immer einmal im Monat, die Lehre zu hören.