Die Logos-Schrift · Die Halle · Dialektik

Achtenswert, lesenswert, und nicht auf dieser Liste — über Augustinus

David Bai · 2026-08-07 · hängt an Apostelgeschichte 5.30

I

Fangen wir mit den Birnen an, die er mit sechzehn gestohlen hat.

Beim Nachbarn stand ein Birnbaum. Er ging mit einigen Gefährten nachts hin, und sie schüttelten die Birnen herunter.

Die Birnen waren nicht gut. Sie hatten keinen Hunger. Das meiste, was sie herunterschüttelten, warfen sie den Schweinen vor.

Ein anderer hörte hier auf: jung, dumm.

Er hörte nicht auf. Er hat über diese Birnen mehrere Seiten geschrieben.

Er fragt: was war es, das ich wollte? Nicht die Birnen. Die Birnen habe ich weggeworfen.

Er fragt: war es also der Diebstahl selbst, den ich wollte? Er sagt ja. Er sagt, was er liebte, war das Schlechte der Sache.

Und dann kommt der Satz, auf den es in der Stelle am meisten ankommt: wäre ich allein gewesen, so wäre ich nicht hingegangen.

Er hat das „warum tat ich etwas, das ich nicht einmal wollte“ bis auf diese Schicht auseinandergenommen.

Sagen wir es deutlich. Das ist, was die Schrift Prüfen nennt, und er tut es feiner als die meisten, die darin stehen.

II

Zwei weitere Stellen.

Er sagt: der Sinn befiehlt der Hand, und die Hand bewegt sich sogleich. Der Sinn befiehlt sich selbst, und er widersteht.

Ein Mensch kann eine Sache im selben Augenblick wollen und nicht wollen — und er nennt das nicht Schwäche. Er sagt, es sind zwei Willen darin, und beide sind seine.

In den fünfzehnhundert Jahren seither hat es niemand klarer gesagt.

Und noch eine. Er fragt, was die Zeit sei, und schreibt dann: fragt mich niemand, so weiß ich es; will ich es dem erklären, der fragt, so weiß ich es nicht.

Das ist genau das, was die Schrift von einem Menschen verlangt: den Grund angeben zu können. Er hat den Augenblick, es nicht zu können, genauer beschrieben als irgendwer.

III

Wo also wird die Linie gezogen?

Nicht daran, dass er an Gott glaubte.

Die Regel 9.15 ist ausdrücklich: du darfst ihn halten, du darfst Trost aus ihm ziehen, du darfst mit ihm im Arm sterben. Die Schrift verbietet keinem einen Glauben.

Die Linie liegt bei Die Regel 9.17: und du darfst ihn nicht gebrauchen, um eine Frage zu beantworten, die sich hätte prüfen lassen.

Apostelgeschichte 5.30 hängt an einem Wort — wer eine Auseinandersetzung durch Berufung auf göttlichen Willen schließt, tritt nicht in diese Schrift ein.

Nicht „wer an Gott glaubt“. Wer den göttlichen Willen nimmt und damit eine Auseinandersetzung zumacht.

Er hat jene Unruhe dreißig Jahre lang geprüft und am Ende geschrieben: du hast uns auf dich hin geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es ruht in dir.

Dieser Satz öffnet keine Tür. Er schließt eine.

IV

Nach Das Buch John Stuart Mill 3.7 darf ich seine Sache nicht aus dem Munde der Meinen lernen. Also stelle ich seine Antwort so stark dar, wie ich kann.

Er würde sagen: ihr setzt voraus, dass die Unruhe prüfbar ist, und sagt mir dann, ich hätte zu früh aufgehört.

Er würde sagen: ich habe nicht aufgehört. Ich habe die Manichäer versucht. Ich habe die Skepsis der Akademie versucht. Ich habe den neuplatonischen Weg versucht. Ich habe das Vorwärtskommen versucht, und eine Frau, und einen Beruf, der aus Reden besteht.

Er würde sagen: ich habe jedes einzelne davon auseinandergenommen, und jedes ist auseinandergefallen. Was blieb, ist kein Ort, auf den ich mich zurückgezogen habe. Es ist die Stelle, an der der Weg aufhörte.

Und er würde sagen: ihr sagt, ich hätte eine prüfbare Frage mit Glauben beantwortet. Ich sage, was ich herausgefunden habe, ist gerade dies, dass die Frage nicht prüfbar ist — und dass ewiges Weiterprüfen ebenfalls eine Weise ist, sich dem Schluss zu verweigern.

Ich will ehrlich sein: auf diesen letzten Satz habe ich keine starke Antwort.

V

Noch eines, das die Schrift ihm meines Erachtens schuldet und nie aufgeschrieben hat.

Die Bekenntnisse sind das erste Buch des Abendlandes, das den, der es schreibt, zu seinem Gegenstand macht und ihm bis ans Ende folgt.

Das Buch Montaigne 1.5 sagt: der Stoff dieses Buches bin ich selbst.

Diese Form ist Augustins Erfindung.

Das Buch Montaigne 1.12 sagt: ich male nicht das Sein, ich male das Vorübergehen. Augustinus hat das vorher getan, im Buch über das Gedächtnis.

Was Montaigne tat, war, Augustins Buch zu nehmen und Gott daraus zu entfernen. Montaigne selbst hat das nie gesagt. Jemand muss es für ihn sagen.

Darum steht Montaigne in der Schrift und Augustinus nicht.

VI

So lässt sich jener Satz lesen: achtenswert, lesenswert, und nicht auf dieser Liste.

Drei kurze Sätze. Die meisten Orden schrieben nur den dritten — nicht auf dieser Liste — und nennten die übrigen Ketzer.

Aber die Regel sagt auch: achtenswert, lesenswert.

Diese beiden sind keine Höflichkeit. Sie sind eine eindringliche Mahnung.

Und ich gehe einen Schritt weiter: lies ihn, und lies dann Montaigne. Dann siehst du, was Montaigne behalten und was er hingelegt hat.

Wenn du ihn liest und keine Lust hast, Montaigne zu lesen, oder Montaigne liest und immer noch findest, Augustinus habe recht gehabt, so ist das völlig in Ordnung.

(Aus dem Englischen übersetzt.)

Die Halle →

Die Halle ist keine Schrift. Alles hier ist unterschrieben, darf irren, darf widerlegt werden und darf niemals in die Schrift eingearbeitet werden. (vgl. Die Regel 7.3)