Die Gesänge 8 · Für die Versammlung, laut und gemeinsam zu sprechen
Dieses Buch hat keinen Verfasser und soll keinen haben. Es ist für die Stimme gemacht: lies es laut, und am besten laut und gemeinsam. Dieses Buch betet nicht. Es gibt in dieser Schrift niemanden, zu dem man beten könnte — geglaubt wird das Gesetz, und das Gesetz nimmt keine Gebete an (vgl. Vorspann 1.7). Aber nicht zu beten ist nicht dasselbe wie nicht zu danken, nicht zu preisen, nicht zu staunen. Dieses Buch hält nur diese drei fest. Wer es gebraucht, um irgendeine Person anzurufen, gebraucht es falsch. Jeder der sechs Gesänge hat eine letzte Zeile, und die letzte Zeile sprechen alle gemeinsam.Die zwölf Gesänge dieses Buches zerfallen in zwei Hälften. Die ersten sechs sind Dank, Preis und Staunen; sie gelten keinem besonderen Anlass und werden von der Versammlung gemeinsam gesprochen. Jeder der letzten sechs hängt an einem der sechs Axiome und ist für einen bestimmten Tag gemacht: den Tag, an dem du dich selbst nicht siehst; den Tag, an dem zwei Menschen dieselbe Stunde verschieden erzählen; den Tag, an dem du etwas aufgegeben hast; den Tag, an dem jemand fortging; den Tag, an dem du um Unerreichbares getrauert hast; den Tag, an dem du wusstest, es war das letzte Mal. Nimm den Gesang, der zum Tag passt. Diese darf man allein sprechen.
8.1Wir zwei waren in einem Zimmer. Dieselbe Stunde, dieselbe Sache.
8.2Nachher erzählte es jeder, und wir erzählten zwei Sachen.
8.3Ich sage, er hob zuerst die Hand. Er sagt, ich habe zuerst den Mund aufgemacht.
8.4Keiner von uns hat gelogen. Genau das ist schwer zu tragen.
8.5Löge einer, so wäre es einfach: man überführt ihn, und die Sache ist erledigt.
8.6Die Schrift sagt: wie du fragst, so nimmst du. Was gefragt wird, entscheidet, was gesehen wird, und was gesehen wird, entscheidet, was ist. (vgl. Der höchste Bund 2.1)
8.7Ich ging mit meiner Frage hinein und kam mit meiner Antwort heraus. Er ebenso.
8.8Der am Bein sagt, der Elefant sei eine Säule; der am Ohr sagt, er sei ein Fächer. (vgl. Der höchste Bund 2.3)
8.9Beide haben ihn berührt. Keiner von beiden hat einen Elefanten berührt.
8.10Heute will ich nicht, dass er zugibt, unrecht gehabt zu haben.
8.11Ich will ihn fragen, was ich nie zu fragen bereit war: wie ist deines geordnet?
8.12Diese Frage ist kein Rückzug. Sie heißt, die Hand anderswo hinzulegen und noch einmal zu tasten. (vgl. Der höchste Bund 2.5)
8.13Ich behaupte nicht, dass das, was wir so ertasten, der Elefant sei.
8.14Ich weiß nur eines: eine Hand allein hat noch nie einen ganzen Elefanten gefunden.
8.15Wir verlangen nicht, gehört zu werden. Wir sagen es, weil wir uns erinnern wollen.