Die Logos-Schrift · 3 Platon

Der Weber

3 Platon 3 · Vom Tode. In der Akademie überliefert, aus seinem Phaidon

Dieses Buch hält das Gespräch vom Tag von Sokrates’ Tod fest. Platon unternimmt darin zu beweisen, dass der Sinn nicht mit dem Leib vergeht. Diese Schrift nimmt diesen Beweis nicht. Sie nimmt die Leier des Simmias und die Mäntel des Kebes — was jene zwei sagten, ist das Axiom der Zerstreuung. Platon hat ihre Einwände nicht gestrichen, und diese Schrift streicht seinen Beweis nicht.

3.1Simmias setzte sich, und Kebes stand auf.
3.2Er sagte: was ich zu sagen habe, ist kälter als das Seine.
3.3Gestehen wir zu, der Sinn sei nicht die Stimmung einer Leier. Gestehen wir zu, er könne den Leib wirklich verlassen und noch sein.
3.4Auch dann reicht es nicht.
3.5Ein Weber webt viele Mäntel. Er trägt einen auf und nimmt den nächsten.
3.6Er überdauert jeden einzelnen seiner Mäntel.
3.7Aber eines Tages stirbt er, und an jenem Tag trägt er den letzten davon.
3.8Nennst du ihn unsterblich? Er ist nicht unsterblich. Er ist nur haltbarer als Mäntel.
3.9Trägt der Sinn viele Leiber auf, so zeigt das nur, dass er haltbarer ist als Leiber.
3.10Haltbar ist nicht unzerstreulich.
3.11Zwischen spätem Zerstreuen und Nichtzerstreuen liegt nicht die Zeit. Es liegt der ganze Abstand, den es gibt.
3.12Auch Kebes’ Rede habe ich niedergeschrieben, ohne ein Wort daraus wegzunehmen.
3.13Diese zwei haben mir an jenem Tag die beiden schwersten Schläge versetzt.
3.14Ich glaube noch immer, dass ich ihnen geantwortet habe.
3.15Lest ihr meine Antwort und findet sie unzureichend, so nehme ich es euch nicht übel.
3.16Dieses Buch verlangt nicht, dass ihr mir glaubt. Es zeigt euch, was an jenem Tag gesagt wurde.
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