Die Logos-Schrift · 2 Platon

Mit leeren Händen heimgehen

2 Platon 5 · Vom Wissen und Nichtwissen. In der Akademie überliefert, aus seinem Theaitetos und seinem Menon

Dieses Buch scheidet Rechthaben von Wissen. In Kapitel 4 erklärt Platon den Knaben im Sand durch ein früheres Leben. Diese Schrift nimmt das frühere Leben nicht. Sie nimmt Der Bund 1.2 — wo der Blick der Vernunft fällt, werden die vielen Wege eins, und erst dann wird das Wirkliche geboren. Seine Erklärung bleibt stehen und wird nicht gestrichen.

5.1Theaitetos, wir haben den ganzen Tag geredet.
5.2Was wir fragten, war: was ist Wissen.
5.3Du sagtest, es sei Wahrnehmung. Wir sahen es an, und es hielt nicht stand.
5.4Du sagtest, es sei, einen wahren Satz im Kopf zu haben. Wir sahen es an, und auch das hielt nicht stand.
5.5Du sagtest, es sei ein wahrer Satz samt dem Grund, den man angeben kann. Wir sahen es an, und es hielt immer noch nicht stand.
5.6Es ist dunkel geworden. Wir haben keine Antwort.
5.7Du sagst: dann haben wir den Tag verloren.
5.8Ich sage: nein.
5.9Als du heute Morgen dein Haus verließest, glaubtest du zu wissen, was Wissen ist.
5.10Jetzt weißt du, dass du es nicht weißt.
5.11Diese beiden sind nicht dasselbe, und sie liegen weit auseinander.
5.12Wer eine falsche Antwort hält, wird nicht wieder suchen. Seine Tür ist zu.
5.13Wer leere Hände hat, dem steht die Tür offen.
5.14Ich kann dir keine Antwort geben. Was ich kann, ist, dir die falsche aus den Händen zu nehmen.
5.15Du wirst empfinden, ich hätte genommen und nichts gegeben.
5.16Ja. Das tut die Hebamme: sie gibt dir das Kind nicht. Sie hindert dich nur, ein totes als lebendiges heimzutragen.
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