Die Logos-Schrift · Das Buch Feynman

Von dem Ring

Das Buch Feynman 4 · Von ihm selbst geschrieben, aus der Ansprache von 1974, dem Anhang zum Bericht und seinen eigenen Vorlesungen

Richard Feynman, 1918 in Far Rockaway in New York geboren, 1988 in Los Angeles gestorben. Physiker. Von 1943 bis 1945 war er in Los Alamos, der jüngste Gruppenleiter der theoretischen Abteilung; seine Frau Arline starb im Juni 1945 an einer Krankheit, keinen Monat vor dem ersten Versuch. 1965 erhielt er mit Schwinger und Tomonaga den Nobelpreis für Physik für die Quantenelektrodynamik, und die Diagramme, die heute überall im Fach gebraucht werden, sind seine. Seit 1950 war er am Caltech, und die Physikvorlesung, die er von 1961 bis 1963 hielt, wurde in drei Bänden gedruckt. 1986 sass er in der Untersuchung zur Raumfähre, und das dem Bericht beigefügte Stück ist von seiner Hand; er hatte, als er es schrieb, seit Jahren Krebs und starb zwei Jahre später. Dieser Band ruht auf dem, was er selbst geschrieben oder selbst vorgetragen hat: die Ansprache von 1974, der Anhang zum Bericht und seine Vorlesungen. Mehrere sehr viel gelesene Bücher wurden von ihm gesprochen und von fremder Hand nach Tonbändern niedergeschrieben; der Orden nimmt diese nicht — nicht weil sie schlecht wären, sondern weil die erste Regel seine eigene Hand verlangt (vgl. Apostelgeschichte 5.28). Er glaubte nicht an einen Gott, der über Recht und Unrecht unter den Menschen waltet, und kein Argument von ihm schliesst mit göttlichem Willen. Was dieser Band bringt, ist etwas, das die Schrift nicht hatte: ein Verfahren, sich selbst zu prüfen, fein genug ausgeschrieben, um befolgt zu werden. Es gibt hier Bücher, die einem Menschen sagen, er solle andere nicht täuschen. Keines hat bisher aufgeschlüsselt, was es heisst, sich selbst nicht getäuscht zu haben.

4.11986 zerbrach die Raumfähre, und sieben Menschen starben. Man setzte mich in die Untersuchung.
4.2Wir sassen im Sitzungsraum, während Schriftstücke verlesen wurden.
4.3Ich tat eine sehr kleine Sache. Ich bat um ein Glas Eiswasser.
4.4Ich nahm ein kurzes Stück des Dichtungsrings, klemmte es in eine Zwinge, hielt es eine Weile ins Eiswasser und zog es heraus.
4.5Vor den Kameras löste ich die Zwinge. Es sprang nicht zurück.
4.6Die Luft am Morgen des Starts war kälter als jenes Wasser.
4.7Ein Glas Eiswasser zeigt es. Eine Kommission von mehreren Monaten hatte es nicht gesehen, weil niemand hingehen und um das Wasser bitten wollte.
4.8Danach rechnete ich etwas aus, das schwerer wog.
4.9Die Verantwortlichen sagten, die Wahrscheinlichkeit eines Versagens der Maschine sei eins zu hunderttausend.
4.10Ich fragte die Ingenieure unter ihnen. Sie sagten: etwa eins zu hundert.
4.11Dieselbe Maschine, im selben Augenblick, und die beiden Zahlen um das Tausendfache auseinander.
4.12Was sich unterschied, war nicht die Rechnung. Das eine Ende rechnete, und das andere Ende sprach zur Öffentlichkeit.
4.13Ich schrieb das nieder, damit es dem Bericht beigefügt werde. Sie wollten es nicht drucken. Ich sagte, dann nehmt meinen Namen weg. Sie druckten es.
4.14Der letzte Satz darin lautet: soll eine Technik gelingen, so muss die Wirklichkeit vor der Öffentlichkeitsarbeit stehen.
4.15Denn die Natur lässt sich nicht täuschen.
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