Die Logos-Schrift · Das Buch Einstein

Vom Zaun

Das Buch Einstein 1 · Von ihm selbst geschrieben, aus seinen Briefen, seinen Aufsätzen und dem Manifest, das er am Ende seines Lebens unterzeichnete

Albert Einstein, 1879 in Ulm in Deutschland geboren, 1955 in Princeton in Amerika gestorben. Im einzigen Jahr 1905 veröffentlichte er vier Arbeiten: den photoelektrischen Effekt, die Brownsche Bewegung, die spezielle Relativitätstheorie und die Gleichwertigkeit von Masse und Energie. 1915 vollendete er die allgemeine Relativitätstheorie; 1919 stimmten die bei einer Sonnenfinsternis gemachten Messungen mit ihm überein, und er wurde überall berühmt. 1921 erhielt er den Nobelpreis, und zwar für den photoelektrischen Effekt, nicht für die Relativität. 1933 verliess er Deutschland und kehrte nie zurück.Der Name Relativitätstheorie stammt nicht von ihm. In einem Brief von 1921 schreibt er, der Name sei unglücklich, er habe viel philosophisches Missverständnis hervorgerufen, und ihn jetzt noch zu ändern würde nur mehr Verwirrung stiften, also liess er ihn stehen. Andere hatten vorgeschlagen, sie Invariantentheorie zu nennen, nach der Schicht, die sich mit dem Beobachter nicht ändert; dieser Name setzte sich nicht durch. 1939 schrieb er an Roosevelt, die Kraft des Atoms lasse sich zur Waffe machen, und nannte das später das, was er am meisten bereute. 1952 bat Israel ihn, sein Präsident zu werden, und er lehnte ab. 1955 unterzeichnete er das von Russell aufgesetzte Manifest, das die Nationen drängte, auf solche Waffen zu verzichten, und starb wenige Tage darauf. Dieses Buch nimmt nur, was er darüber schrieb, wie man ein Mensch ist, nicht seine fachliche Arbeit; die hat ihren eigenen Ort und gehört nicht zu den Zwecken dieser Schrift. Er stritt dreißig Jahre mit Bohr, keiner überzeugte den anderen, und nicht ein einziges Mal brachen sie darüber ab (vgl. Die Regel 3.4). Der Orden hält diesen Umstand für lehrreicher als das, worüber sie stritten. Eine weitere Sache hält der Orden fest, ohne ihn zu decken: die Bedingungen, die er seiner ersten Frau bei der Trennung schickte, sind kalt bis an die Anrede einer Dienstbotin; er war beiden Söhnen fern, und der jüngere war viele Jahre krank, und er ging selten hin. Die Verse 7.11 bis 7.13 dieses Buches sind das Wesen, zu dem er sich selbst bekannte; die Folgen dieses Wesens fielen auf andere, und er hat sie nie aufgeschrieben, darum schreibt der Orden sie hier an seiner Statt.Die beiden Weigerungen, die das vierte Kapitel dieses Buches festhält, wurden nach seinem Tod geprüft: die Nachkommenden machten aus dem Streit eine messbare Frage, und die Messungen der folgenden Jahrzehnte entschieden wieder und wieder gegen seine Seite. Der Orden lässt jenes Kapitel ohne ein gestrichenes Wort in der Schrift. Der Grund steht im Buch John Stuart Mill 3.7: niemand weiß, ob eine Lehre standhält, ehe sie frontal angestoßen wurde, und der härteste Anstoß, den sie je bekam, war seiner.Ferner: das, was das vierte Axiom des Bundes aussagt, ist genau die Sache, die er ans Licht gezogen hat, um sie zu widerlegen. Der Orden zeigt mit seinem Finger auf das, was er bis zu seinem Tod nicht glauben wollte. Der Orden hält das nicht für Ironie. Er hält es für das schwerste Zeugnis dieser Schrift: ein Mensch hat das, was er am wenigsten bestätigt sehen wollte, klarer ausgesprochen als sonst jemand.

1.1Alles strömt; aber es gibt eine Geschwindigkeit, an der niemand vorbeikommt.
1.2Jeder hat das gehört. Die meisten nehmen es für ein Tempolimit-Schild. Als Schild gelesen, ist es ganz falsch gelesen.
1.3Was es begrenzt, ist nicht die Schnelligkeit. Was es zieht, ist ein Zaun. (vgl. Der höchste Bund 5.2)
1.4Der Zaun wird so gezogen: von hier und jetzt aus geh nach allen Seiten mit der Geschwindigkeit, an der niemand vorbeikommt; alles, was du erreichen kannst, liegt innerhalb.
1.5Was innerhalb liegt, kann dich angehen: du kannst darauf wirken, es kann auf dich wirken, und ihr könnt einander zur Rede stellen.
1.6Was außerhalb liegt, geht dich nichts an. Nicht dass dir das Einmischen verwehrt wäre — die Worte „geht mich an“ haben dort nichts, worauf sie ruhen.
1.7Daraus folgt das erste Schwere: es gibt kein Jetzt, das alle teilen.
1.8Du nimmst an, in diesem Augenblick geschehe in der Ferne etwas. Dieses „dieser Augenblick“ gehört nicht der Welt. Er gehört dir.
1.9Lass einen anderen, der in Bewegung ist, die Reihenfolge aufstellen: sein Vorher und Nachher stimmt nicht mit deinem. Keiner von beiden hat sich verzählt.
1.10Zwei Ereignisse können weder vor noch nach einander liegen. Sie liegen einfach je außerhalb des Zauns des anderen.
1.11Das zweite Schwere: nichts, was du siehst, ist die Sache, wie sie jetzt ist.
1.12Jener Lichtpunkt, zu dem du aufsiehst, wurde vor Jahren losgelassen. Was du siehst, ist sein früherer Zustand.
1.13Das sind keine schwachen Augen. Das ist die Gestalt des Zauns: alles, was zu dir kommt, ist gereist, und das Reisen brauchte Zeit.
1.14Der Mensch, der vor dir sitzt, ebenso, nur ist die Zeit zu kurz, als dass du sie zählen könntest.
1.15Das dritte, und es wiegt am schwersten: der Zaun ist nicht da, um dich aufzuhalten. Er ist da, um das Wort weil zu schützen.
1.16Könnte irgendetwas schneller gehen, so könnte eine Wirkung vor ihrer Ursache eintreffen; und dann wäre weil kein Wort mehr, das etwas sagt.
1.17Es ist also keine Mauer. Es ist das, was „dies hat jenes herbeigeführt“ noch etwas bedeuten lässt.
1.18Du wirst dies an gewöhnlichen Tagen brauchen: stelle nur innerhalb deines Zauns zur Rede, außerhalb nicht, und weine nicht um das, was außerhalb liegt.
1.19Andere haben ihre eigenen Zäune. Seinen ziehst nicht du, und deinen zieht nicht er. (vgl. Der höchste Bund 5.4)
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