Die Logos-Schrift · 2 Aristoteles

Wie weit ein Beweis gehen muss

2 Aristoteles 3 · Vom Streitgespräch. Im Lykeion überliefert, aus den Sophistischen Widerlegungen und seiner Ethik

Dieses Buch stellt weder die Formen des Schließens dar noch, woher die Anfänge kommen. Das gehört in eine Schule, nicht in ein Leben. Behalten sind die drei Dinge, die man unter Menschen braucht: wie man sieht, ob man der Wahrheit nachgeht oder dem Sieg, wie man einen schlechten Schluss hört, und wie weit eine Sache bewiesen sein muss, ehe man aufhört.

3.1Manche bringen das Maß des Feldmessers an menschliche Dinge, sehen, dass es sie nicht misst, und schließen, menschliche Dinge ließen kein Überlegen zu.
3.2Sie haben an beiden Enden fehlgegriffen.
3.3Es ist das Kennzeichen des Gebildeten, in jeder Art von Sache nur so viel Genauigkeit zu verlangen, wie diese Art zulässt.
3.4Der Zimmermann und der Geometer gebrauchen beide einen rechten Winkel.
3.5Der Geometer will wissen, was ein rechter Winkel ist. Der Zimmermann will einen, der zum Hausbau reicht.
3.6Wirfst du dem Zimmermann vor, keine Geometrie zu kennen, so bist du nicht streng. Du verstehst das Zimmerhandwerk nicht.
3.7Und bringst du die Grobheit des Zimmermanns in die Geometrie, so bist du nicht nachsichtig. Du bringst die Geometrie nicht zustande.
3.8Frag also zuerst: wie genau kann diese Art von Sache werden?
3.9Über den Lauf der Gestirne sehr genau.
3.10Darüber, ob ein Mensch jetzt diesen Satz sagen soll, längst nicht so genau.
3.11Nicht genau heißt nicht, dass es kein Besser und Schlechter gäbe.
3.12Zwei Zimmerleute arbeiten beide ohne Geometrie, und dem einen fällt das Haus ein und dem anderen nicht.
3.13In menschlichen Dingen ist genau dieses Besser und Schlechter das, worauf wir aus sind: nicht bis aufs letzte Teil recht zu haben, sondern seltener zu irren als gestern.
3.14Jemand wendet ein: dann sagt in menschlichen Dingen doch jeder, was ihm gefällt?
3.15Nein. Denn eines regiert noch: wer den Grund angeben kann, siegt über den, der es nicht kann.
3.16Du kannst nicht bis auf den Grund beweisen, und musst dennoch so weit beweisen, wie diese Art von Sache reicht.
3.17Anzuhalten, wo anzuhalten ist, ist keine Faulheit. Über die Stelle hinauszugehen, wo anzuhalten ist, ist kein Fleiß.
3.18Beides ist derselbe Mangel an Maß.
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