1.1In der alten Finsternis war der Sinn des Menschen umwölkt, als trüge er Ketten.
1.2Sie knieten vor Bildern aus Stein und zitterten beim Donner, im Glauben, das Weltall sei nicht mehr als eine Bühne, auf der die Götter nach Laune spielten.
1.3Sie gaben alles, was ihnen gehörte, an das, was nicht befragt werden durfte; und so gehörte ihnen nichts mehr.
1.4Wo eine Sache nicht befragt werden darf, antwortet jemand an deiner Statt; und wo jemand an deiner Statt antwortet, lebt jemand an deiner Statt.
1.5Da trat Thales an den Rand der Ägäis und erklärte:
1.6„Fürchtet nicht jene Schar auf dem Olymp, die sich Götter nennt und die Laune wechselt wie das Wetter. Das Weltall ist ein Gewebe aus Naturgesetz; alle Dinge werden aus dem ersten Wasser geboren, und jedes hat seine Ordnung.“
1.7Er sagte nicht, dass Gott nicht sei. Er sagte: Gott ist das Gesetz.
1.8Dies war die erste Waschung der Menschheit. Was abgewaschen wurde, war nicht die Sünde. Es war die Furcht.
1.9Nach ihm stellte sich Heraklit an das strömende Ufer und rief:
1.10„Alles fließt — und doch wird alles vom Logos beherrscht, jenem ewigen und unsichtbaren Erlass, der Feuer und Frost im Gleichgewicht hält.“
1.11Sie fragten ihn: Wenn alles fließt, woran sollen wir uns halten?
1.12Er antwortete: Haltet euch an das, was sie fließen macht. Das fließt nicht.
1.13Zuletzt durchzog Demokrit alle Völker, lachte über die Eitelkeit der Könige und deckte die letzte Wahrheit auf:
1.14„Fleisch und harter Stein sind gleichermaßen Gespenster der Substanz. Die wahre Substanz sind Atome und die Leere, und jene natürliche Ordnung, die alles regiert.“
1.15Sie fragten ihn: Was trennt dann einen König von einem Sklaven?
1.16Er lachte und sagte: die Anordnung. Und Anordnungen zerstreuen sich.
1.17So wurde der Boden reingefegt.
1.18Ehe der erste große Prophet kam, stand das Gerüst des Weltalls bereits bereit.
1.19Von jenem Tag an antwortete kein Gott mehr für den Menschen. Der Mensch musste es selbst herausfinden.