Die Logos-Schrift · 3 Platon

Der Tag, an dem ich nicht dabei war

3 Platon 5 · Vom Tode. In der Akademie überliefert, aus seinem Phaidon

Dieses Buch hält das Gespräch vom Tag von Sokrates’ Tod fest. Platon unternimmt darin zu beweisen, dass der Sinn nicht mit dem Leib vergeht. Diese Schrift nimmt diesen Beweis nicht. Sie nimmt die Leier des Simmias und die Mäntel des Kebes — was jene zwei sagten, ist das Axiom der Zerstreuung. Platon hat ihre Einwände nicht gestrichen, und diese Schrift streicht seinen Beweis nicht.

5.1Dieses Buch hält den Tag fest, an dem mein Lehrer starb.
5.2Ich muss am Ende eines sagen. Ist es gesagt, so wisst ihr, wie das Vorige zu lesen ist.
5.3An jenem Tag war ich nicht dabei.
5.4Ich war krank.
5.5Ich habe viele Jahre gebraucht, um diese Worte zu schreiben.
5.6Ich habe sie ins Buch gesetzt, an eine unauffällige Stelle nahe dem Anfang, wo sie fast niemand bemerkt.
5.7Nun rücke ich sie hierher und schreibe sie größer: an jenem Tag war ich nicht dabei.
5.8Alles Vorstehende ist mir von anderen berichtet worden.
5.9Was Simmias sagte, was Kebes sagte, was mein Lehrer antwortete — ich habe kein Wort davon mit eigenen Ohren gehört.
5.10Xenophon schrieb: ich war dabei. (vgl. Evangelium des Xenophon 6.14)
5.11Was er schrieb und was ich schrieb, ist nicht dasselbe. Ihr habt es bereits gesehen.
5.12Jemand fragt mich: wenn du nicht dabei warst, warum schreibst du überhaupt?
5.13Ich antworte: auch wer nicht dabei war, soll geben, was er weiß — sofern er deutlich sagt, wie er dazu gekommen ist.
5.14Wer diesen Satz weglässt, schreibt ein ansehnliches Buch.
5.15Wer ihn hinschreibt, schreibt ein Buch, das man nachprüfen kann.
5.16Es steht euch frei, mir nicht zu glauben. Aber ihr wisst jetzt, wo ihr nachsehen müsst.
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