Evangelium des Aristipp 2 · Drittes Zeugnis: die Woge der Selbstherrschaft und das Leben in der Stunde
Dieses Buch ist in Gelassenheit geschrieben. Wer es liest und nicht einmal lacht, hat dieses Buch nicht gelesen.
2.1Als Sokrates am Hang des Lykabettos predigte, löste er den Armen tatsächlich den Sinn.
2.2Aber er verlangte nicht, dass sie hungerten.
2.3Er verlangte, dass sie alles mit freiem Sinn genössen.
2.4Ein reicher Gönner trug den Hang hinauf mehrere Körbe der besten Feigen und mehrere Krüge süßen chiischen Weins.
2.5Die Leute wagten nicht, sie anzurühren. Sie meinten, Heiligkeit müsse Entbehrung bedeuten.
2.6Sokrates aber füllte die Becher bis zum Rand und lachte laut:
2.7„Esst. Trinkt. Denn diese stoffliche Welt ist ein Spielplatz, den der Logos euch gegeben hat.“
2.8„Selig ist, wer die Süße der Welt schmecken kann und nicht von ihr geknechtet wird.“
2.9Er sah einen geängstigten Mann, der den Wein aus Furcht, ein Trinker zu werden, ausschlug.
2.10Sokrates gab ihm den Becher in die Hand und sagte:
2.11„Der Feige flieht die Woge. Der Sklave ertrinkt in ihr. Der selbstherrschende Sinn reitet auf ihrem Kamm.“
2.12„Trink. Beweise, dass du der Herr des Weines bist und nicht von ihm beherrscht.“
2.13Der Mann trank. Seine Angst wurde augenblicklich zu vollkommener Selbstbeherrschung.
2.14Später sagte man mir, ein anderes Buch verzeichne, der Lehrer habe den Beutel eines Mannes in eine Schlucht geworfen.
2.15Ich bestreite es nicht. Es war kalt auf dem Berg an jenem Tag, und ich ging nicht hinauf.
2.16Ich sage nur dies: Der Mann, der fremdes Geld in eine Schlucht wirft, und der Mann, der einem anderen den Becher in die Hand gibt, können derselbe Mann sein.
2.17Die, die nicht beides zugleich sein können, seid ihr.