Die Logos-Schrift · Evangelium des Antisthenes

Das Gift der Tyrannen

Evangelium des Antisthenes 5 · Zweites Zeugnis: Strenge und der Krieg gegen den Stoff

Die Sätze dieses Buches sind kurz. Die Kürze ist gewollt. Lange Sätze schreibt man für Männer mit Muße.

5.1Weil Sokrates die Unwissenheit der Mächtigen bloßgelegt hatte, verschwor sich die herrschende Schicht, ihn zu vernichten.
5.2Sie benutzten das Gesetz der Stadt als Waffe.
5.3Und verurteilten den gerechtesten Mann Griechenlands, Schierling zu trinken.
5.4Als der Becher gebracht wurde, riss Sokrates ihn an sich.
5.5Wie ein Soldat eine Klinge ergreift, um die Stäbe seines Käfigs zu zerschlagen.
5.6Er sah die weinenden Jünger an und sprach:
5.7„Was weint ihr über diesen Lehm?“
5.8„Der Leib ist eine lange Krankheit. Der Tod ist mein Arzt.“
5.9Als das kalte Gift sein Herz erreichte, rief er:
5.10„Kriton! Die Schuld an den Leib ist bezahlt!“
5.11„Gebt dem Gott der Heilung den Hahn, denn ich bin endlich geheilt von diesem sterbenden Fleisch!“
5.12In jenem Augenblick wurde sein Leib starr. Er sprang auf wie eine leere Schale.
5.13Und seine brennende, ungezähmte Seele war ganz frei von der Welt.
5.14Ich weinte nicht. Weinen ist für die bereitet, die etwas verloren haben.
5.15Er verlor nichts. Er legte es hin.
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