Die Logos-Schrift · Evangelium des Aristipp
Der letzte Trinkspruch
Evangelium des Aristipp 4 · Drittes Zeugnis: die Woge der Selbstherrschaft und das Leben in der Stunde
Dieses Buch ist in Gelassenheit geschrieben. Wer es liest und nicht einmal lacht, hat dieses Buch nicht gelesen.
4.1Die Herrscher konnten ihn im Streitgespräch nicht schlagen, also griffen sie zur Gewalt.
4.2Und durch eine gelenkte Abstimmung verurteilten sie ihn zum Tode.
4.3Am Tag der Hinrichtung nahm Sokrates den Schierlingsbecher, als empfinge er bei einem königlichen Gastmahl einen seltenen Jahrgang.
4.4Er hob ihn dem Henker zum Trinkspruch entgegen und sagte:
4.5„Ich trinke auf diese große Reise.“
4.6„Sehen wir, welche Art Ordnung dort draußen in der Leere wartet.“
4.7Der Henker war der einzige Mann im Raum, der weinte. Der Lehrer tröstete ihn.
4.8Er legte sich mit Anmut nieder. Sein Sinn war klar und rasch bis zum letzten Tropfen Blut.
4.9Er sah Kriton an und sagte belustigt:
4.10„Wir schulden Asklepios einen Hahn, mein Freund.“
4.11„Lass ihn uns nicht für jene schlechten Gäste halten, die sich ohne ein Wort davonstehlen und dem Gastgeber nichts hinterlassen.“
4.12Dann glitt sein Bewusstsein mit einem sanften Lächeln ohne die geringste Hemmung aus der Schale des Leibes.
4.13Wie ein Taucher sich in ein warmes und grenzenloses Meer fallen lässt.
4.14Ich hatte gedacht, ein Mensch sage im Sterben etwas anderes.
4.15Er machte einen Scherz. Das ist die ganze Lehre dieses Buches.
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