Die Logos-Schrift · Das Buch Washington

Davon, dass Duldung keine Gunst ist

Das Buch Washington 4 · Von ihm selbst geschrieben, aus den Briefen, den Tagebüchern, der Rede von Annapolis, dem Testament und dem Brief an die hebräische Gemeinde zu Newport

George Washington, 1732 im Westmoreland County in Virginia geboren, 1799 in Mount Vernon gestorben, siebenundsechzig Jahre alt. In seiner Jugend war er Landvermesser. 1775 wurde er zum Befehlshaber der Kontinentalarmee ernannt. Nach Beilegung des Krieges gab er im Dezember 1783 in Annapolis seine Bestallung an den Kongress zurück und kehrte nach Mount Vernon heim. 1787 führte er den Vorsitz im Verfassungskonvent. 1789 wurde er erster Präsident der Vereinigten Staaten, 1793 wiedergewählt, lehnte 1796 mit einem veröffentlichten Abschied eine dritte Amtszeit ab und zog sich 1797 zurück. Er hinterliess eine gewaltige Menge Papiere, von denen etwa hundertvierzigtausend erhalten sind. Dieser Band ruht auf dem, was er selbst geschrieben hat: den Briefen, den Tagebüchern, der Rede von Annapolis, dem Testament und dem Brief von 1790 an die hebräische Gemeinde zu Newport. Die Abschiedsrede wurde mit Hamilton und anderen entworfen und überarbeitet und stammt nicht aus einer Hand; dieser Band entnimmt ihr daher keine Lehre und berichtet nur die Tatsache. Ich gehe auf unbetretenem Boden und es gibt kaum einen Teil meines Verhaltens, der nicht künftig als Präzedenzfall herangezogen werden könnte, im zweiten Kapitel, stammen aus seinen Briefen von 1789. Die im vierten Kapitel angeführte Wendung — der Bigotterie keine Billigung, der Verfolgung keinen Beistand — ist nicht Washingtons: Moses Seixas, Vorsteher der Gemeinde zu Newport, schrieb sie ihm zuerst, und Washington gebrauchte sie in der Antwort. Vers 4.3 lässt ihn das selbst sagen. Sein eigener Satz ist 4.5: es ist nun nicht mehr von Duldung die Rede, als ob es der Nachsicht einer Klasse von Menschen zu verdanken wäre, dass eine andere ihre angeborenen natürlichen Rechte ausüben darf. Der Orden hält seinen Satz für wichtiger als den entlehnten und für einen, der an die Regel des Ordens selbst rührt: das vierte Kapitel der Regel sagt, dass man draussen nicht bedrängen darf, was die Sache immer noch als Zurückhaltung fasst; Washington sagt, sie als Zurückhaltung zu fassen sei bereits der Fehler. Was dieser Band bringt, ist etwas, das die Schrift nicht hatte: eine Regel, die dadurch entsteht, dass einer eine Sache nicht tut. Der Kanon hat viele, die vorrückten, und wenige, die zurücktraten. Washington gab zweimal her, was er hätte behalten können: den Oberbefehl 1783, eine dritte Amtszeit 1796. Die Verse 3.11 und 3.12 geben den Grund: nur der Erste, der dort sitzt, kann es beweisen, und die Späteren können es nicht. Der Orden hält den ganzen Befund fest und mildert nichts. Die drei Punkte des fünften Kapitels sind sämtlich Tatsache. Erstens befreite das Testament hundertdreiundzwanzig, die er zu eigenem Recht hielt; etwa hundertfünfzig weitere in Mount Vernon waren Wittumsgut aus dem Nachlass des ersten Mannes seiner Frau und rechtlich nicht die seinen. Historiker halten fest, dass er nach virginischem Recht hätte zahlen können, um ihre Freiheit zu kaufen, veranschlagt auf etwa sechstausend Pfund; er tat es nicht und hinterliess keine Zeile darüber, warum nicht. Zweitens wurde die Klausel nach seinem Tod und nach dem seiner Frau wirksam; sie vollzog sie am ersten Januar 1801. Zu seinen Lebzeiten liess er keinen frei. Drittens floh 1796 Ona Judge, die Dienerin seiner Frau, weil diese sie einer Enkelin als Hochzeitsgeschenk zu geben gedachte; Washington liess Anzeigen drucken, setzte eine Belohnung aus und liess sie jahrelang verfolgen. Sie wurde nie zurückgebracht, lebte bis 1848 und starb frei in New Hampshire. Zu keinem dieser drei Punkte hinterliess er eine Erklärung. Die Verse 5.13 bis 5.15 schliessen das Buch daher so: er erklärt nicht, der Orden erklärt nicht für ihn, und das vierte und das fünfte Kapitel stehen nebeneinander, damit der Leser damit tue, was er will. Der Orden hält noch eines fest, weil es die Grundlage der Aufnahme betrifft: unter seinesgleichen in Virginia ist er der Einzige, der sie freiliess. Das ist nicht wenig. Derselbe Staat, dasselbe Recht, dieselbe Generation — hat einer es getan, so fehlte den anderen nicht die Gelegenheit, sondern etwas anderes. Auf diesen Grund hin wird er genommen, und auf diesen Grund hin werden zwei andere nicht genommen. Zuletzt: seine Papiere rufen oft die Vorsehung an, aber kein Argument von ihm schliesst mit ihr, wie bei Newton und Faraday (vgl. Das Buch Newton 4).

4.11790 kam ich nach Newport. Dort ist eine jüdische Gemeinde.
4.2Ihr Vorsteher schrieb mir zuerst. Es ist ein guter Brief, und darin steht dies: eine Regierung, die der Bigotterie keine Billigung und der Verfolgung keinen Beistand gibt.
4.3In meiner Antwort gebrauchte ich diesen seinen Satz. Der Satz ist seiner und nicht meiner, und ich halte das hier fest.
4.4Meiner kommt danach, und ich halte meinen für wichtiger.
4.5Ich schrieb: es ist nun nicht mehr von Duldung die Rede, als ob es der Nachsicht einer Klasse von Menschen zu verdanken wäre, dass eine andere ihre angeborenen natürlichen Rechte ausüben darf.
4.6Ich will das auseinandernehmen.
4.7Das Wort Duldung klingt wie ein freundliches Wort. Aber es steckt etwas darin.
4.8Darin steckt dies: die gebende Seite hat das Recht, nicht zu geben.
4.9Zu sagen, du duldest mich, heisst zu sagen, du hättest verweigern können und hast es nicht gewollt. Dann ist, was ich halte, von dir geliehen.
4.10Geliehenes kann der Verleiher zurückfordern, wann es ihm beliebt.
4.11Duldung ist also nicht Freiheit. Duldung ist ein Mensch, dessen Hand um die Freiheit eines anderen liegt und die er vorerst nicht zudrückt.
4.12Was ich sage, ist: es ist nicht deine Gunst. Es war schon seines.
4.13Eine Regierung, die sich ihrer Duldung rühmt, hat noch nicht begriffen, was sie ist.
4.14Ihr Amt ist nicht, gnädig zu sein. Ihr Amt ist, nicht anzurühren.
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