Die Logos-Schrift · Die Gesänge

An die Mitschwebenden

Die Gesänge 5 · Für die Versammlung, laut und gemeinsam zu sprechen

Dieses Buch hat keinen Verfasser und soll keinen haben. Es ist für die Stimme gemacht: lies es laut, und am besten laut und gemeinsam. Dieses Buch betet nicht. Es gibt in dieser Schrift niemanden, zu dem man beten könnte — geglaubt wird das Gesetz, und das Gesetz nimmt keine Gebete an (vgl. Vorspann 1.7). Aber nicht zu beten ist nicht dasselbe wie nicht zu danken, nicht zu preisen, nicht zu staunen. Dieses Buch hält nur diese drei fest. Wer es gebraucht, um irgendeine Person anzurufen, gebraucht es falsch. Jeder der sechs Gesänge hat eine letzte Zeile, und die letzte Zeile sprechen alle gemeinsam.Die zwölf Gesänge dieses Buches zerfallen in zwei Hälften. Die ersten sechs sind Dank, Preis und Staunen; sie gelten keinem besonderen Anlass und werden von der Versammlung gemeinsam gesprochen. Jeder der letzten sechs hängt an einem der sechs Axiome und ist für einen bestimmten Tag gemacht: den Tag, an dem du dich selbst nicht siehst; den Tag, an dem zwei Menschen dieselbe Stunde verschieden erzählen; den Tag, an dem du etwas aufgegeben hast; den Tag, an dem jemand fortging; den Tag, an dem du um Unerreichbares getrauert hast; den Tag, an dem du wusstest, es war das letzte Mal. Nimm den Gesang, der zum Tag passt. Diese darf man allein sprechen.

5.1Wir danken denen, die mit uns hier sind.
5.2Von dem, was ich an einem Tag gebrauche, habe ich nicht ein einziges Stück gemacht. (vgl. Das Buch Einstein 7.5)
5.3Der Weg unter mir, die Buchstaben in meiner Hand, das Essen in meinem Mund, dieses Buch, das ich lese.
5.4Andere haben all das gemacht. Die meisten werde ich nie treffen und nie beim Namen kennen.
5.5Wir danken ihnen.
5.6Wir danken ebenso denen, die uns widersprechen.
5.7Einer, der mir ins Gesicht zu sagen bereit ist, dass ich unrecht habe, ist zehn wert, die mir zustimmen. (vgl. Die Regel 3.5)
5.8Und vor allem dem, der, nachdem er es gesagt hat, bleibt.
5.9Wer streitet und geht, ist ein Vorübergehender. Wer streitet und noch immer dasitzt, ist ein Mitschwebender.
5.10Was einmal aus einer Quelle kam, ist niemals wirklich getrennt. (vgl. Der höchste Bund 4.1)
5.11Wir nehmen diesen Satz und wenden ihn auf Menschen an: die Linie zwischen dir und mir ist nicht so fest, wie sie aussieht.
5.12Es braucht also kein Nachlaufen, kein Zurückhalten, kein Aussenden eines Boten.
5.13Bei diesem Gesang verlangen wir nicht, gehört zu werden — wir sagen ihn ihnen ins Gesicht.
5.14Wir sagen es, weil wir uns erinnern wollen.
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